Core Web Vitals – die Kernvitalzeichen im Web

Mit den Core Web Vitals hat Google eine Reihe von Kennzahlen beschrieben, die Website-Betreiber:innen dabei unterstützen sollen, den Nutzer:innen eine bessere User Experience zu bescheren. Zugleich spielen die Daten in Zukunft auch für das Ranking eine Rolle – wir erklären, worauf Sie sich einstellen müssen.

An Selbstbewusstsein fehlt es dem Giganten Google erfahrungsgemäß nicht, und die Begrifflichkeit strahlt auch dies aus: “Core Web Vitals” nennt die Suchmaschine die Kennzahlen: Kernvitalzeichen für’s Web, oder “essential metrics for a healthy site” – essentielle Messdaten für eine gesunde Website.

Die Kennzahlen sollen Website-Betreiber:innen einen Eindruck davon geben, wie angenehm die Nutzung ihrer Website für die Nutzer:innen ist – und weil Google dieser User Experience einen hohen Wert zumisst und als Kriterium für die Qualität und die Zufriedenheit der Nutzer:innen einer Website einstuft, werden die Core Web Vitals ab Juni bis etwa August 2021 nach und nach in das Ranking der Suchmaschinenergebnisse einfließen.

Welche Kennzahlen gehören zu den Core Web Vitals?

Die Kennzahlen gliedern sich in den Kontext ein, den Google “Signale für die Nutzerfreundlichkeit von Seiten” nennt – positiv gewertet wird es, wenn eine Webpage schnell und sicher ist und die Nutzer:innen möglichst wenig nervt.

Außerhalb der Core Web Vitals gehören dazu insbesondere folgende Kriterien, deren erste beide für B2B-Seiten auch aus anderen Gründen völlig selbstverständlich sein sollten:

  • Safe Browsing: Die Seite enthält keine schädlichen oder betrügerischen Inhalte.
  • HTTPS: Die Seite wird über HTTPS zur Verfügung gestellt.
  • Optimierung für Mobilgeräte: Die Seite sieht auf Smartphones und Tablets nicht nur gut aus, sondern lässt sich dort auch problemlos nutzen.
  • Keine störenden Interstitials: Die Seite ist für die Nutzer:innen sofort zugänglich, es gibt keine inhaltsfremden Einblendungen, die den eigentlichen Inhalt verdecken. (Ausnahmen sind z.B. Cookie-Banner.)

Die Core Web Vitals konzentrieren sich auf drei zentrale Kennzahlen, die jeweils für mobile Endgeräte und Desktop-Computer getrennt erfasst werden:

  1. Largest Contentful Paint (LCP)
    Die Zeit vom Aufrufen der URL bis zu dem Moment, wenn das größte sichtbare Inhaltselement im dargestellten Fenster vollständig geladen und zu sehen ist – meist ein Bild, ein Video oder ein größeres Textelement. Für den LCP sollte ein Wert von 2,5 Sekunden oder weniger angestrebt werden.
  2. First Input Delay (FID): Die Zeit, die ab der ersten Interaktion der Nutzer:innen vergeht, bis der Browser auf diese Interaktion auch reagiert. Der FID sollte unter 100ms (also 0,1 Sekunden) liegen.
  3. Cumulative Layout Shift (CLS): Mit diesem etwas unspezifisch definierten Wert wird beschrieben, wie sehr sich einzelne Elemente des Seitenlayouts verschieben, ohne dass dies vorhersehbar bzw. von den Nutzer:innen ausgelöst worden war. Gemeint sind damit z.B. Verschiebungen, die durch das Nachladen einzelner Designelemente (etwa Bilder) entstehen, für die vorher kein Platz freigehalten worden war. Gemessen wird damit potentielle Genervtheit von Nutzer:innen (“User Annoyance”), den CLS selbst beschreibt Google als einen Wert “zwischen null und einer beliebigen positiven Zahl”, der möglichst unterhalb von 0,1 liegen solle. Hier ist es natürlich nicht möglich, einen objektiven Punkt zu bestimmen, außer vielleicht diesem: Alle Gestaltungselemente sollten idealerweise gleich dort erscheinen, wo sie anschließend auch bleiben.

Wie werden die Kennzahlen bewertet?

Ob Werte in den Core Web Vitals als gut, mittelmäßig (bzw. Optimierung erforderlich) oder schlecht (bzw. langsam) eingestuft werden, kann man dieser Tabelle entnehmen, die Google selbst in den Erläuterungen zu den Core Web Vitals liefert:

Eine Webpage wird dann insgesamt in ihrem Vitalstatus so bewertet, wie der jeweils schlechteste Status für den Gerätetyp (Mobilgerät oder Desktop) ausfällt. Um also eine wirklich gute Bewertung in den Core Web Vitals zu erhalten, ist es wichtig, in allen drei Messwerten für beide Gerätetypen gute Ergebnisse anzustreben.

Die Core Web Vitals sind kein grundlegend neues Konzept

Zugleich sind weder Panik noch große Aufregung angebracht. Denn auch wenn die Core Web Vitals im Detail nicht die gleichen Messwerte sind, die z.B. in den Google Page Speed Insights schon länger gemessen werden (als da z.B. wären Time To First Byte, First Contentful Paint, Time To Interactive und Page Load Time) – die grundlegende Botschaft, dass eine Seite schnell laden und sich zuverlässig aufbauen sollte, um dann zügig auf Interaktionen zu reagieren, wurde auch mit den “alten” Kennwerten schon transportiert.

In der Tat geht es Google mit den Core Web Vitals auch darum, es Websitebetreiber:innen einfacher zu machen: Statt einer Vielzahl von unterschiedlichen, zum Teil sehr kleinteiligen und womöglich verwirrenden Signalen werden nun drei zentrale Kennwerte zur Orientierung hervorgehoben. Das erleichtert eine grundlegende erste Bestandsaufnahme, weil zur Analyse wenige, klar definierte Kriterien herangezogen werden.

Die Optimierung freilich ist nach wie vor eine komplexe Aufgabe, die von Spezialist:innen durchgeführt werden sollte – aber dazu später mehr.

Die Page Experience im Fokus

Mit dem Fokus auf die drei Werte der Core Web Vitals stärkt die Suchmaschine ihr Konzept der “Signale für die Nutzerfreundlichkeit von Seiten”. Alle oben beschriebenen Werte und Kriterien fließen in diesen Aspekt des Rankingalgorithmus’ mit ein:

Die Kriterien, die den Aspekt der “Page Experience” im Ranking beeinflussen. (Bildquelle: Google Developer Blog)

Die Core Web Vitals können deshalb am Anfangspunkt einer gründlichen Analyse stehen, um die OnPage-Optimierung als wichtigen Bestandteil einer ganzheitlichen SEO-Strategie voranzubringen.

Zudem sollte kein Missverständnis entstehen: Page Experience ist nicht User Experience. Stattdessen beschreibt die Page Experience, wie Google sie beschreibt, (nur) Teilaspekte der User Experience, die in ihrer Gesamtheit über diese technisch messbaren Aspekte noch deutlich hinausgeht und neben ästhetischen und gestalterischen Aspekten z.B. auch Content-Fragen und Informationsarchitektur mit einschließt.

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Woher stammen die Daten für die Core Web Vitals?

Google aggregiert die Daten aus dem Chrome User Experience Report oder CrUX-Bericht (eine Verwandtschaft mit den Horcruxen aus dem Harry-Potter-Universum wird bestritten) – das bedeutet, sie basieren auf den realen Werten, die Nutzer:innen (soweit sie dem zugestimmt hatten) beim Besuch der Seiten mit dem Chrome-Browser erleben und die dann anonymisiert an Google übermittelt wurden.

Das bedeutet aber auch, dass die Daten (“Field-Data”) für kleine Nischenseiten unter Umständen nicht zuverlässig sind, weil diese nur von wenigen Nutzer:innen wirklich besucht wurden. Für kleine Websites kann es deshalb sinnvoller sein, auf “Lab-Data” zurückzugreifen, also die Daten, die als Momentaufnahme von entsprechenden Anbietern erstellt werden.

Wo kann ich die Core Web Vitals für meine Website finden?

Den Finger an die Vitalzeichen Ihrer Website zu legen, im übertragenen Sinne Puls, Blutdruck und Sauerstoffsättigung Ihrer Seiten zu messen, ist nicht besonders schwierig. Google bindet sie konsequent in seine verschiedenen Angebote ein bzw. baut dies kontinuierlich weiter aus.

Zu den naheliegendsten Orten, an denen Sie die Core Web Vitals finden, gehören die Google Search Console, die Page Speed Insights und die Developer Tools in Googles Chrome-Browser.

Google Search Console

In der Google Search Console finden sich die Core Web Vitals im linken Menü unter dem Punkt “Nutzerfreundlichkeit” als eigenen Punkt; im Bereich “Verhalten von Seiten” sind zusätzlich alle “Signale für die Nutzerfreundlichkeit einer Seite” in einer Übersicht zusammengestellt, das sieht in einem nicht so guten Beispiel dann etwa so aus:

(Screenshot: Google Search Console)

Page Speed Insights

In den Page Speed Insights, die Sie für eine beliebige Webpage aufrufen können, erhalten Sie unterschiedliche Informationen über die Geschwindigkeit der jeweiligen Seite. Unter den ersten vier Messwerten, die dort angezeigt werden, sind auch die drei Core Web Vitals Largest Contentful Paint (LCP), First Input Delay (FID) und Cumulative Layout Shift (CLS) zu finden.

(Screenshot: Google Page Speed Insights)

In den Detailinformationen zu den einzelnen Daten finden sich oft auch relativ konkrete Vorschläge, wie die beobachteten Schwächen verbessert oder behoben werden können.

Lighthouse in den Chrome Developer Tools

Ohne großen Aufwand können Sie die Daten zu den Core Web Vitals aus einem Lighthouse Report erfahren, der in den Entwicklungstools des Chrome-Browsers erstellt werden kann. Bei Lighthouse handelt es sich um ein von Google entwickeltes Open-Source-Tool, das zu zahlreichen Aspekten der oben beschriebenen Page Experience aus den CrUX-Berichtsdaten einen Report zusammenstellt.

In Chrome lassen sich die Developer Tools relativ einfach über das Menü “Weitere Tools” und dann “Entwicklertools” aufrufen:

(Screenshot) Schritt 1: Weitere Tools > Entwicklertools

Anschließend müssen Sie im oberen Menü der Tools den Punkt “Lighthouse” auswählen.

(Screenshot) Schritt 2: Auswahl von “Lighthouse” im oberen Menü

Nun haben Sie die Möglichkeit, mit “Generate report” die Informationen für die aktuell im Browser geöffnete Seite anzufordern. Die Core Web Vitals sind dabei in der Kategorie “Performance” mit enthalten, diese sollte also ausgewählt sein.

(Screenshot) Schritt 3: Mit “Generate report” lässt sich nun ein Bericht für die aktuell besuchte Webpage erstellen.

Im Lighthouse Report sind aktuell mit Largest Contentful Paint (LCP) und Cumulative Layout Shift (CLS) erst zwei der drei Werte aus den Core Web Vitals zu finden, aber dies wird vermutlich bald angepasst werden.

(Screenshot) Übersicht der Ergebnisse zum Bereich “Performance”.

Der Lighthouse Report – man sieht es in den Screenshots – bietet außerdem noch weitere wertvolle Informationen zu den Bereichen Barrierefreiheit, Content und Struktur und OnPage-SEO generell.

Was kann ich konkret tun, um die Core Web Vitals zu verbessern?

Auf den verschiedenen Plattformen, auf denen die Core Web Vitals zur Verfügung gestellt werden, macht Google, wie oben bei den Page Speed Insights schon beschrieben, zum Teil recht konkrete Vorschläge, welche Veränderungen möglich wären.

Verschiedene Maßnahmen sind allerdings für die unterschiedlichen Messwerte der Core Web Vitals naheliegend und sollen hier kurz angedeutet werden:

  1. LCP: Largest Contentful Paint optimieren
    Hier gibt es eine Reihe von möglichen Maßnahmen, die in unterschiedlicher Art und Weise dem Bereich des Technical SEO zuzurechnen sind: Ladezeiten verkürzen (z.B. durch Nutzung von Cache-Technologie und Content Delivery Networks), Code verschlanken und konsolidieren (oft sind insbesondere CSS und JavaScript-Informationen in einzelne Dateien ausgelagert), Bilder in geeigneter Weise fürs Web anpassen und ähnliche Maßnahmen.
  2. FID: First Input Delay optimieren
    Schwächen hier können an einem sehr langsamen Server liegen oder daran, dass zu viel bzw. zu komplexer JavaScript-Code auf der Seite verwendet wird.
  3. CLS: Cumulative Layout Shift optimieren
    Hier sollten alle wichtigen Designelemente, vor allem Bilder und Videos, mit Größenattributen versehen werden. So ergeben sich vor allem bei jenen Elementen, die erst nach und nach geladen werden, keine Verschiebungen im Design. Überlagerungen und andere Effekte sollten sowieso vermieden werden.

Welche Maßnahmen konkret bei Ihrer Website sinnvoll sind, lässt sich allein mit einem Blick auf die Core Web Vitals kaum beantworten. Stattdessen sollten Fachleute mit detaillierter Kenntnis der jeweiligen Technologien und Ihrer Website ein Konzept erarbeiten, wie Verbesserungen systematisch und vor allem nachhaltig, also auch langfristig wirksam, umgesetzt werden können.

Es wird dabei immer “Quick Wins” geben, schnell und einfach umsetzbare Schritte, die auch zügig Verbesserungen bringen. Andere Maßnahmen brauchen naturgemäß etwas länger oder haben komplexere Folgen.

Fazit

Die Core Web Vitals schreiben die Regeln für gute Websites nicht völlig um, sondern konzentrieren viele unterschiedliche Signale in wenigen, zentralen Messwerten. Als solche sind sie für die Betreiber:innen von Websites eine Hilfe, um vor allem die technischen Rahmenbedingungen ihres Online-Angebots zu bewerten.

Ein Grund zur Panik ist die Einführung der Vitals deshalb nicht – stattdessen eine Verstärkung des Wissens: ”Nur eine gut gemachte und gut nutzbare Website kann eine wirklich erfolgreiche Website sein.”

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