Dieser Beitrag basiert auf einem Vortrag, den Ronald Hajdo mit Dennis Panzner auf dem Experience Day 2026 gehalten haben.
Die digitale Landschaft wandelt sich rasant. Was vor wenigen Jahren noch als State-of-the-Art galt, wirkt im Zeitalter der generativen künstlichen Intelligenz (generative Artificial Intelligence, genAI) oft behäbig und unflexibel.
Besonders im Bereich der Enterprise Content Management Systeme (CMS) wie TYPO3 stehen Unternehmen vor einer zentralen Herausforderung: Ihr CMS läuft zuverlässig, es trägt das gesammelte Wissen von Jahren – aber zwingt es das Team nicht in eigentlich veraltete Prozesse?
Denn die Realität in der redaktionellen Arbeit vieler Unternehmen sieht doch so aus: KI-Tools werden genutzt, aber durch ständiges Copy-and-Paste zwischen diesen und dem CMS-Backend entstehen fortwährend Medienbrüche, entsteht erheblicher Zeitaufwand für repetitive Aufgaben.
Die Lösung kann nun nicht darin liegen, bewährte Systeme wie TYPO3 abzureißen und durch vermeintlich „KI-native“ Insellösungen zu ersetzen. Die Lösung liegt in der Befreiung, der Weiterentwicklung der bestehenden Technologie durch intelligente Workflows.
Das Dilemma: Enterprise-Systeme in der KI-Gegenwart
Enterprise-Content-Management-Systeme sind das Rückgrat der digitalen Kommunikation. Sie bieten Stabilität, Skalierbarkeit und Sicherheit – sie sorgen dafür, dass Ihre Website läuft und mit anderen Systemen von Shop bis CRM verknüpft ist.
Die Benutzeroberflächen und Workflows der Enterprise-CMS stammen oft aus einer Zeit, bevor große Sprachmodelle (Large Language Models, LLMs) die Content-Erstellung revolutionierten.
Heute verbringen Redaktionsteams zu viel Zeit damit, durch komplexe Seitenbäume zu navigieren, Inhalte aus Tools wie ChatGPT oder Claude manuell ins CMS zu übertragen und mühsam Metadaten zu pflegen.
Die ständigen Wechsel zwischen verschiedenen Applikationen – Texteditor, LLM-Prompt-Fenster und CMS-Backend – unterbrechen nicht nur den kreativen Fluss, mit jedem Copy-and-Paste steigt die Gefahr von Formatierungsfehlern, verlorenen Links oder übersehenen Meta-Informationen.

Mit anderen Worten: Die Arbeit am und im Enterprise-CMS bietet für die schlanken Workflows, die mit LLM-Unterstützung möglich wären, reichlich Hindernisse. Was fehlt: Ein Tool, dass LLM und CMS nicht nur verbindet, sondern dafür sorgt, dass die richtigen Informationen genau dorthin gebracht werden, wo sie hingehören. Damit die Redakteur:innen ihre Zeit nicht mit Copy und Paste verplempern.
Die Brücke zwischen Prompt und Publish: Model Context Protocol (MCP)
Die Lösung für diese Aufgabe liegt in einer offenen Architektur und neuen Standards wie dem Model Context Protocol (MCP). MCP fungiert als eine Art universeller „USB-Anschluss für KI“. Es ermöglicht Sprachmodellen wie Claude, sicher und kontextbezogen auf externe Systeme wie TYPO3 zuzugreifen.
Inhalte werden also nicht mehr extern generiert und dann manuell ins CMS kopiert; stattdessen entsteht ein nahtloser Workflow: Prompt to Publish.

Wie funktioniert das in der Praxis?
Redaktionsworkflow mit Claude Cowork: Schritt-für-Schritt-Anleitung
Um diesen theoretischen Workflow greifbar zu machen, betrachten wir beispielhaft die konkrete Anwendung von Claude Cowork im Zusammenspiel mit TYPO3. Die Einrichtung und Nutzung erfordert kein tiefes technisches Vorwissen.
Schritt 1: Die Vorbereitung der Brand Voice
Bevor Claude Cowork den ersten Satz für TYPO3 generiert, muss das Fundament gelegt werden. Ein LLM kann nur dann im Sinne der Marke kommunizieren, wenn es deren DNA kennt, also versteht, was die Marke ausmacht, an wen sich die Kommunikation richtet und auf welchen Grundsätzen sie beruht.
- Erstellung der Brand Voice Datei: Legen Sie ein strukturiertes Markdown-Dokument (
brand_voice.md) an. - Definition der Kernelemente: Beschreiben Sie detailliert die Tonalität (z.B. „professionell, aber nahbar“), die Zielgruppe(n) sowie absolute Dos und Don’ts in der Kommunikation. Beschreiben Sie Ihre Kernbotschaften und tragen Sie die wichtigsten Informationen zu Ihrem Unternehmen in Kurzform zusammen.
- Integration in Claude Cowork: Laden Sie dieses Dokument in den Kontext von Claude Cowork hoch oder hinterlegen Sie es als festen System-Prompt für Ihr Redaktionsteam.
Tipp aus der Praxis: Nutzen Sie konkrete Textbeispiele für „So schreiben wir“ und „So schreiben wir nicht“. Claude lernt durch Kontrastierung besonders schnell.

Schritt 2: Die MCP-Verbindung herstellen
Damit Claude Cowork direkt in TYPO3 agieren kann, muss die sichere Verbindung über das Model Context Protocol etabliert werden.
- Installation des TYPO3-MCP-Servers: Der von VERDURE genutzte Open-Source TYPO3-MCP-Server wird in der TYPO3-Instanz installiert und konfiguriert.
- Authentifizierung: Dedizierte API-Schlüssel für Claude Cowork werden eingerichtet. Diese Schlüssel sollten mit spezifischen Berechtigungen (z.B. nur Entwürfe im Workspace anlegen, kein direktes Publizieren) versehen werden.
- Verbindung in Claude: Der TYPO3-MCP-Server wird zu den verfügbaren Tools in Claude Cowork hinzugefügt. Claude „versteht“ nun die Struktur Ihrer Website, kennt die
tt_content-Tabellen und weiß, welche Felder für welche Inhaltselemente zwingend erforderlich sind.

Schritt 3: Content-Generierung per Prompt
Mit diesen Schritten sind Claude Cowork und TYPO3 nun auf die direkte Kommunikation miteinander vorbereitet. Jetzt kann die eigentliche redaktionelle Arbeit beginnen – allerdings ohne die vorher beschriebenen Medienbrüche.
- Der strukturierte Prompt: Formulieren Sie Ihren Arbeitsauftrag direkt in Claude Cowork. Beispiel: „Erstelle einen News-Beitrag über unser neues Nachhaltigkeitsprojekt. Nutze die Informationen aus dem angehängten PDF. Beachte unsere Brand Voice. Lege den Beitrag direkt im TYPO3-Ordner ‚News‘ (ID: 42) an.“
- Interaktive Verfeinerung: Claude entwirft den Text. Sie können nun iterativ Feedback geben („Mache den Einstieg etwas dynamischer“, „Kürze den zweiten Absatz“).
- Die Ausführung: Sobald der Text freigegeben ist, erteilen Sie den Befehl: „Lege diesen Beitrag nun in TYPO3 an.“ Claude nutzt die MCP-Verbindung, um die Daten strukturiert an TYPO3 zu übergeben.
Schritt 4: Review & Publish im TYPO3-Workspace
Der entscheidende Vorteil für Enterprise-Kunden: Der redaktionelle Prozess bleibt vollständig in menschlicher Hand. Die KI publiziert nicht eigenmächtig.
- Prüfung im Workspace: Wechseln Sie in das TYPO3 Workspaces-Modul. Dort finden Sie den von Claude angelegten Beitrag als Entwurf.
- Qualitätssicherung: Alle Felder (Überschrift, Fließtext, Teaser, SEO-Metadaten) sind bereits vorausgefüllt. Die Redaktion prüft den Inhalt auf fachliche Korrektheit und Feinheiten und kann selbstverständlich alle Bestandteile noch vollständig überarbeiten.
- Freigabe: Nach erfolgreicher Prüfung wird der Beitrag über den gewohnten TYPO3-Freigabeprozess publiziert.
Durch diesen Workflow entfällt das manuelle Übertragen von Inhalten vollständig. Das LLM unterstützt, strukturiert und beschleunigt, aber die letzte Kontrolle obliegt dem Team.
Wir unterstützen Sie bei jedem Schritt Machen Sie mit uns Ihr CMS zukunftstauglich
6 KI-Features direkt im TYPO3-Backend
Neben der Produktion ganzer Texte gibt es noch zahlreiche weitere KI-Anwendungen, die bei der Nutzung von TYPO3 sinnvoll sein können – etwa zur Überarbeitung, Verbesserung und Übersetzung bestehender oder von Redakteur:innen geschriebener Texte, zur Erstellung von Bildmaterial oder zur Unterstützung im Bereich SEO.
Dafür hat VERDURE als offizieller TYPO3 Solution Partner spezifische Features entwickelt, die ganz ohne Extensions-Chaos direkt in die TYPO3-Oberfläche integriert werden können – also dort, wo Redakteur:innen arbeiten:

| Feature | Funktion | Nutzen |
|---|---|---|
| Textkorrektur | Automatische Korrektur von Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung direkt neben Text- und RTE-Feldern | Höhere Textqualität und Zeitersparnis bei der Endkontrolle |
| Übersetzung | Kontextsensitive Übersetzung gesamter Seiteninhalte in alle konfigurierten Sprachen | Effiziente Internationalisierung und Lokalisierung ohne Medienbrüche |
| SEO-Generierung | Automatische Erstellung von SEO-Titeln und Meta-Beschreibungen basierend auf dem tatsächlichen Seiteninhalt | Bessere Sichtbarkeit in Suchmaschinen bei minimalem manuellem Aufwand |
| Bild-Metadaten | Generierung von Alt-Texten, Beschreibungen und Titeln per KI-Bildanalyse – auch für Hunderte Bilder gleichzeitig (Bulk-Verarbeitung) | Verbesserte Barrierefreiheit und Bild-SEO |
| Bildgenerierung | Erstellung von Bildern aus Textbeschreibungen (z.B. via Google Gemini) und direktes Anhängen an Inhaltselemente | Schnelle visuelle Aufwertung von Inhalten |
| MCP Server | Ein Open-Source TYPO3-MCP-Server als Fundament, der es KI-Assistenten ermöglicht, TYPO3 sicher zu lesen und zu bearbeiten | Zukunftssichere Architektur für die nahtlose KI-Integration |
Transformation der Kommunikations-DNA
Die Einführung von KI-Tools in einem Unternehmen ist keine reine IT-Entscheidung. Die Technik ist lediglich ein Werkzeug, dessen Einsatz überlegt sein und gelernt werden muss: die Unternehmenskultur ist der Handwerker.
Wettbewerbsvorteile entstehen nicht dadurch, dass ein Tool eingesetzt wird, sondern durch die Identität, die dahinter steckt, die Strategie, die den Einsatz steuert, und die konkreten Fähigkeiten, die dafür entwickelt werden.
Der Weg zur KI-nativen Kommunikation verläuft in vier strategischen Schritten:
- Fundament: Brand Voice definieren und dokumentieren. Dies ist die unverzichtbare Basis für jede automatisierte Kommunikation.
- Verbindung: KI-Tools und CMS per MCP integrieren. Silos werden aufgebrochen, Systeme beginnen miteinander zu sprechen.
- Beschleunigung: Workflows automatisieren und Teams befähigen. Redakteur:innen werden von Copy-and-Paste-Aufgaben befreit und können sich stärker darauf konzentrieren, strategisch relevante Kommunikation voranzutreiben.
- Transformation: KI als Teil der Kommunikation verankern. KI wird nicht mehr als Fremdkörper, sondern als Tool, als natürlicher Sparringspartner im Arbeitsalltag verstanden.
Fazit: Das Bewährte befreien
Prä-KI-Technologie zukunftsfähig zu machen, bedeutet nicht, das Bewährte zu ersetzen – sondern es zu befreien. Um neue Möglichkeiten zu erweitern und dadurch in die Gegenwart zu bringen.
Wie ein guter Freund wird uns das Digitale in Zukunft begleiten, verstehen lernen und uns so Zeit und neue Freiheit schenken. Was vor wenigen Jahren noch wie Zukunftsmusik klang, ist heute greifbare Technologie. Es ist an der Zeit, Enterprise-Systeme wie TYPO3 aus ihren alten Fesseln zu lösen und sie mit intelligenter Automatisierung in eine neue Ära zu führen.
VERDURE ist offizieller TYPO3 Solution Partner und begleitet Unternehmen bei der strategischen KI-Transformation ihrer digitalen Plattformen.
